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interviews: Deeds of Flesh

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DEEDS OF FLESH waren mal wieder in Europa zu Besuch und da man die Band sonst mehr als schlecht erreichen kann, machte ich mich auf den Weg nach Groningen (NL), wo die Jungs ihr offiziell letztes Konzert der Tour spielten. Erik Lindmark, Sprachrohr der Band, gab kurz nach dem Auftritt schnell ein paar Infos zur Lage und zum aktuellen Output „Reduced to Ashes“. Trinkrohr Jacoby sorgte für den Witz, steuerte aber zum Interview nichts Erwähnenswertes bei.....

Necromaniac: Erik, „Reduced to Ashes“ ist seit einiger Zeit draußen und ich denke, bisher lief es ziemlich gut für euch mit der neuen Scheibe. Ich persönlich finde sie etwas interessanter als „Mark of the Legion“. Obwohl ich auch schon gehört habe, dass viele Fans eher „Mark of the Legion“ besser finden, fielen die Kritiken in der Presse äußerst positiv aus. Für das Cover war dieses Mal Toshi vom Studio Sho aus Japan verantwortlich. Wie kommt es, dass Jon Zig nicht zum fünfzigsten Mal für euch das Cover gemacht hat?
Deeds of Flesh: Ja, bis jetzt läuft es wirklich ziemlich gut mit „Reduced...“, wir können uns nicht beklagen. Auch die Tour war ein ziemlicher Erfolg für uns. Heute ist ja offiziell der letzte Gig und wir können jetzt schon sagen, dass die Tour super lief! Auch die Jungs von HATE ETERNAL und DYING FETUS waren super und wir hatten echt eine tolle Zeit hier in Europa. Nun, Jon Zig hat für uns etliche Artworks gemacht und es war mal an der Zeit, was Neues zu machen. Toshis Arbeiten für INTERNAL SUFFERING, BEHEADED oder ROTTING haben uns schwer beeindruckt, also war nur logisch, dass wir ihn kontaktet haben. Zum Glück hatte er Zeit für uns.
Necromaniac: Wer hatte denn die Idee für das Cover, soweit ich weiß, hält Toshi enge Absprachen mit den Bands. War die Landschaft deine Idee? Ich finde das Bild ziemlich cool, ist mal ein bisschen anders als der sonst sehr detaillierte Stil von ihm. Hab aber schon von mehreren Leuten gehört, dass sie das Bild Scheiße finden.
Deeds of Flesh: Wirklich? Hhhm, ich finde es total geil. Das Bild basiert auf einem Songtext, also nicht gerade auf dem gesamten Konzept der CD, wobei die CD auch kein zusammenhängendes Konzept hat. Die Idee stammt von uns dreien. Wir erarbeiten in der Band wirklich alles zusammen, vom Cover, bis zu den einzelnen Songs. Jacoby und ich kümmern uns ebenso um die Drums, wie Mike sich um den Gesang, wenn es ums Schreiben der Musik geht.
Necromaniac: Wahrscheinlich schreibt ihr dann auch die Texte zusammen?
Deeds of Flesh: Ja richtig, aber das ist bei uns immer der letzte Schritt, dann sind die Songs schon zu 100% fertig.
Necromaniac: Erik, lass uns mal kurz über dein mittlerweile sehr erfolgreiches Label Unique Leader Records sprechen, das du zusammen mit Jacoby betreibst. Wenn ich mich recht erinnere, habt ihr mit eurer eigenen Band angefangen, das Label zum laufen zu bringen und kurze Zeit später habt ihr auch schon DISGORGE rausgebracht. Wie seid ihr auf die Idee, ein Label zu gründen, gekommen?
Deeds of Flesh: Nun, das ist eine lange Geschichte, aber um es einigermaßen auf den Punkt zu bringen, damals zu „Path of the Weakening“-Zeiten hatten wir wirklich interessante Angebote von Labels wie Century Media oder Relapse Records. Die Angebote waren gut, aber überzeugten uns nicht. Durch einen Zufall brachten wir dann „Path of the Weakening“ selber raus, zusammen mit der DISGORGE, weil uns ein europäisches Label ein ziemlich gutes Lizenz-Angebot machte. Das lief dann aber alles ziemlich schief und ich musste die Kohle für die DISGORGE selber vorstrecken, was mir damals ganz schön auf den Magen schlug. Aber alles lief dann doch ganz gut, nachdem die CD draußen war, und bis zu „Mark of the Legion“ haben wir dann DISAVOWED, PYAEMIA und MORTAL DECAY unter Vertrag genommen. Mittlerweile läuft alles großartig und das Label wirft einiges an Profit ab, was vor ein paar Jahren noch nicht abzusehen war. Am Anfang war es echt Scheiße und ich hätte beinah alles hingeschmissen, und zwar mit einem dicken Loch in der Geldbörse. Jetzt sehe ich, dass es das Beste war, was ich machen konnte.
Necromaniac: Displeased Records haben seinerzeit die DISGORGE „She Lay Gutted“ und die DEEDS OF FLESH „Path...“ als Picture-Disc hier in Europa lizenziert. Mittlerweile ist Vinyl ja wieder schwer angesagt, denkt ihr darüber nach, mal selber Platten zu pressen oder weitere Sachen lizenzieren zu lassen?
Deeds of Flesh: Wir haben ja jetzt hier in den Niederlanden ein Europabüro und wenn wir LP´s machen lassen, dann selber hier über Unique Leader Europe. In den USA ist es viel zu teuer, Platten pressen zu lassen. Da wir hier in Europa jetzt durch Ruud (die dicke holländische Kartoffel, die hier Unique Europe macht, Ed.) eine Niederlassung haben, brauchen wir keine Sachen mehr zu lizenzieren.
Necromaniac: Dann haut rein! DECREPIT BIRTH muss ich auf LP haben, bei dem Cover! Verrätst du, was Dan Seagrave im Jahre 2004 kostet (bzw. 2002, denn aus dem Jahr ist das Cover)?
Deeds of Flesh: Verdammt viel (lacht)!
Necromaniac: Top secret oder was?
Deeds of Flesh: Ja, über solche Dinge rede ich nicht gern. Aber wie gesagt, war schon ziemlich teuer, aber das Ergebnis ist den Preis wert.
Necromaniac: Eine spezielle Frage habe ich bezüglich eurer Labelpolitik. Bei so gut wie jeder CD, die ich von Unique Leader besitze, sei es nun DECREPIT BIRTH, SEVERED SAVIOUR, DISGORGE oder was auch immer, hat mindestens ein Musiker im Booklet ein Shirt einer weiteren Unique Leader Band an. Steht das bei euch im Vertrag so drin, dass auf Promofotos weitere Unique Leader Produkte vorzuzeigen sind (HaHa)?
Deeds of Flesh: Nein, nein! (lacht heftigst) Weißt du, jeder weiß, dass wir ein Label sind, welches von einer Band geleitet wird. Das heißt, wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es Label gibt, die Bands abzocken und verarschen. Wir machen das nicht mit unseren Bands und das merken die Musiker. Klingt bescheuert, aber wir sind alle untereinander dicke Kumpels und auch die Bands sind miteinander in Kontakt. Die Bands, die wir rausbringen, haben alle einen qualitativ hohen Standard und das wissen auch die anderen. Also wenn du jemanden von meinetwegen SEVERED SAVIOUR mit einem DISAVOWED-Shirt siehst, dann findet er die auch geil und trägt das Shirt nicht, weil wir es ihm sagen. Es ist so cool, dass sich unsere Bands auch gegenseitig supporten, das gibt mir ein richtig gutes Gefühl.
Necromaniac: Für den US-Markt habt ihr jetzt EXMORTEM aus Dänemark unter Vertrag. Gilt das nur für den US-Markt?
Deeds of Flesh: Ja, das ist ein Lizenz-Release nur für den US-Markt.
Necromaniac: Neben PSYCROPTIC und NECRONOMICON fallen EXMORTEM ja schon fasst ein wenig aus dem sonst üblichen Unique Leader Programmkonzept.
Deeds of Flesh: Ja? Würde ich nicht ganz so sehen. Wir versuchen immer Bands unter Vertrag zu nehmen, die nicht nur auf CD überzeugen, sondern auch live. Zu solch einer Band zähle ich auf jeden Fall EXMORTEM. Wir sind schon länger in Kontakt mit den Jungs und kennen ihre Qualitäten genau und von daher hab ich überhaupt kein Problem damit, die CD in den USA auf den Markt zu bringen.
Necromaniac: Ich auch nicht, nur wie gesagt, ich finde EXMORTEM sind eine Band, die erst auf den zweiten Blick ins Konzept passt, zumal ihr ja mittlerweile eines der weltweit führenden Label in Sachen US-„Stil“-Geballer seid.
Deeds of Flesh: Danke! Das ist unser Ziel und ich denke die Leute haben mittlerweile geschnallt, dass wir keinen halbgaren Schrott rausbringen und das soll auch weiterhin so laufen. Theoretisch könnten wir, übertrieben gesagt, 500 CD´s pro Jahr rausbringen, aber da wir selber Musiker mit relativ hohen Ansprüchen sind, versuchen wir, uns auf die hochwertigen Sachen zu konzentrieren.
Necromaniac: OK, soviel zu eurem Label. Heute ist ja der letzte Gig der Tour, wann geht es denn zurück in die USA?
Deeds of Flesh: Nun, morgen spielen wir in Tilbourg (NL) noch einen separaten Abschiedsgig mit PYAEMIA und DISAVOWED. Und am nächsten Tag geht es dann direkt zurück.
Necromaniac: Na, dann pass bloß auf, dass dir Jacoby nicht verloren geht, der scheint ja schon wieder 2 ATÜ auf’m Kessel zu haben (strumpelte gerade mit zwei Bieren in der Hand an uns vorbei und wollte lieber saufen, anstatt Scheiß-Intis zu beantworten ?). Als ihr auf dem Fuck the Commerce gespielt habt, hätte ich echt nicht gedacht, dass Jacoby es noch schafft, auf die Bühne zu gehen und einen Gig abzulegen. Der war ja so was von voll. Zwei Stunden vor’m Gig lag er noch auf dem Gelände, total voll und im Gesicht bemalt (HaHa). Wie hast du ihn so schnell wieder fit bekommen?
Deeds of Flesh: Ja stimmt (HaHa)! Mike hat ihm glaube ich acht Eimer Wasser über den Kopp geschüttet und dann wurde es etwas besser (grinst). Der Sack hat ja Dosenstechen gemacht und war so was von voll, meine Fresse! Ich meine, Jacoby ist soweit Profi, dass er auch angetrunken noch auftreten kann, aber auf dem FTC war es schon hart, ihn wieder einigermaßen mobil zu kriegen.
Necromaniac: Bevor uns Jacoby wieder über den Haufen rennt (wir saßen Backstage auf einer Treppe, an der Jacoby immer zum Bierholen vorbei musste, Ed.), lass uns doch bitte noch mal auf das aktuelle Album zu sprechen kommen. Wie schon zu Anfang erwähnt, gefällt es mir mit am besten von den bisherigen DEEDS OF FLESH-Alben. Ihr habt das Album auch in eurer Heimatstadt aufgenommen?
Deeds of Flesh: Ja richtig, zwei Straßen weiter sogar nur. Nun, da ich Musiker bin, bin ich natürlich auch der Meinung, dass es unser bisher bestes Album ist, da es alle Elemente unseres Stils beinhaltet. Das Technische von „Inbreeding ...“, den Groove von „Trading Pieces“, usw. Frag mich noch mal, wenn wir das nächste Album aufgenommen haben, dann halte ich bestimmt das für das beste, was wir je gemacht haben (HaHa).
Necromaniac: Bestimmt! „Path of the Weakening“ empfinde ich persönlich als das schwächste Album eurer bisherigen Karriere. Was hältst du im Nachhinein von dem Album?
Deeds of Flesh: Nun, da gebe ich dir sogar recht. Allerdings wenn man bedenkt, unter was für Umständen wir das Album gemacht haben, ist es dennoch sehr gut geworden. Joey Heaslet hat uns ja damals mehr oder minder nur ausgeholfen an den Drums. Er ist extra zurück in die Band, um uns aus der Not zu helfen. Das ganze Album wurde in nur zwei Monaten geschrieben und aufgenommen. Das Kranke an der Sache war, wir standen damals so unter Zeitdruck, dass das Artwork und auch das Layout schon vor der eigentlichen Musik fertig waren. Ich meine, wie merkwürdig ist das denn? Die ersten beiden Songs auf dem Album wurden in drei Tagen eingespielt, eingesungen und gemixt. Also ich kann gut verstehen, wenn die Fans sagen, die Scheibe ist schwach, aber unter den genannten Umständen, ist es dennoch eine enorme Leistung. Logisch zählt das nicht als Ausrede, ist auch nicht so gemeint.
Necromaniac: Na logisch. Für mich als Konsument zählt eben nur das, was sich im CD-Schacht dreht. Ich weiß ja als Fan nicht, dass nun gerade diese Scheibe übers Knie gebrochen wurde. Wie oft probt eine Band wie DEEDS OF FLESH eigentlich?
Deeds of Flesh: Sechsmal in der Woche (Ich hatte meine Frage noch nicht zu Ende gestellt, da kam die Antwort schon wie aus der Kanone geschossen, Ed.).
Necromaniac: Oha. Das ist doch schon ziemlich regelmäßig. Na gut, als Berufsmusiker und Selbstständiger… alleine das Label nimmt doch sicherlich täglich schon endlose Stunden in Anspruch. Zudem seid ihr fast ständig auf Tour, da kann die Zeit doch schon mal knapp bzw. der Tag sehr kurz sein?
Deeds of Flesh: Da kannst du einen drauf lassen (lacht). Wir versuchen bzw. leben von der Musik und dem Label und du kannst mir glauben, das Label nimmt so extrem viel Zeit in Anspruch, das ist echt unglaublich. Na ja, ständig sind wir nun auch nicht auf Tour, man kann auch schnell „Overtouring“ betreiben und dann sind die Fans schnell übersättig. Im Sommer werden wir in Neuseeland und Australien mit PSYCROPTIC touren. Brasilien steht noch an, nun, mal schauen. Aber es ist echt nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen, zumal das Label täglich wächst und echt viel Business-Scheiß dranhängt. Die meisten Leute beneiden mich, weil ich den ganzen Tag Mucke machen und hören kann, Bands unter Vertrag nehme, mich halt den ganzen Tag um Mucke kümmere. Logo ist das geil, aber es gibt so viel geschäftliche Scheiße zu regeln, dass es manchmal auch einfach nur langweilig und ernüchternd ist.
Necromaniac: Wie alt bist du?
Deeds of Flesh: Ich bin jetzt 31.
Necromaniac: Erik, damit du dich endlich der Dusche widmen kannst, sag mir doch zum Schluss bitte, wie viele Haare du wegen der Jungs von GORGASM verloren hättest, wenn du noch welche gehabt hättest? Ich weiss, die Jungs sind auf deinem Label, du kannst wohl jetzt kaum schlecht über sie reden, aber dass die Jungs anstrengend bzw. teuer im Unterhalt und zudem noch arschfaul sind, das wissen mittlerweile sogar Hinterwäldler wie der Herr Westphal. Also sag an, bereust du es, die Band unter Vertrag genommen zu haben, mal abgesehen von dem brillianten Album, was sie abgeliefert haben?
Deeds of Flesh: Oh Mann ja, da hast du verdammt recht! Die Jungs haben uns einen Haufen Kohle mehr gekostet, weil sie der Meinung waren, doch ein wenig länger im Studio zu bleiben und sie haben mich fast jeden Tag angerufen, um abgemachte Dinge wieder über den Haufen zu werfen (lacht). Es sind wirklich coole Typen, obwohl mir das mittlerweile kaum noch jemand glaubt (lacht wieder), aber die Jungs haben echt noch viel zu lernen. Ich meine nicht, was die Musik angeht, das wissen wir beide. Auch über die Verkäufe brauchen wir uns wohl nicht zu unterhalten, aber was finanzielle Vorstellungen und das Einhalten von Zeiten angeht, sag ich nur verdammte Scheiße!
Necromaniac: OK Erik, dann will ich dich nicht länger mit deinem Sorgenkind quälen und sag artig danke fürs Interview!
Deeds of Flesh: Ich habe zu danken. Gruß an alle deutschen Fans und danke, dass ihr uns auf Tour angeschaut habt. Bis zum nächsten Mal!

www.uniqueleader.com
www.deedsofflesh.com

ERIK´s TOP Ten:
1. Slayer “Reign in Blood”
2. Kreator “Terrible Ceranity”
3. Gorguts “Erosion of Sanity”
4. Destruction “Release from Agony”
5. Violence “Eternal Nightmare”
6. Black Sabbath “Sell our Souls”
7. D.R.I. “Crossover”
8. Cannibal Corpse “Tomb of the Mutilated”
9. Suffocation “Effigy of the Forgotten”

Das war’s! Ich hab dann eben nur eine „alltime nine ten“!